Fuerteventura mit Baby: Wind, Schatten und die Länge der Insel
Aktualisiert 6. September 2026 · 6 Min. Lesezeit
Mit einem Kind unter zwei Jahren entscheidet nicht das Ausflugsangebot über den Urlaub, sondern der Nachmittag. Fuerteventura ist dafür kein schwieriges Ziel, aber eines mit drei Eigenheiten, die man besser vorher kennt: den Wind, den fehlenden Schatten und die Länge der Insel.
Der Wind ist hier keine Wetterlage, sondern der Normalzustand
Der Nordostpassat weht fast das ganze Jahr über, und er kommt dabei erstaunlich beständig aus derselben Richtung. Am kräftigsten bläst er zwischen April und August, mit dem Juli als windigstem Monat. Von Oktober bis März gibt es dagegen regelmäßig Tage ganz ohne Wind. Dazu kommt ein Tagesgang: Vormittags ist es meist ruhig, am Nachmittag frischt es auf.
Für Erwachsene ist genau das der Grund, warum man hier bei achtundzwanzig Grad nicht schwitzt. Auf Bodenhöhe sieht die Sache anders aus. Getriebener Sand fliegt tief, und tief liegt auch die Decke mit dem Baby darauf. Ein Strandtag mit einem Säugling verschiebt sich deshalb von selbst auf den Vormittag, der Nachmittag gehört dem Schlaf in der Unterkunft. Wer diese Reihenfolge umdreht, kämpft den ganzen Urlaub gegen sie an.
Welche Strände geschützt liegen und welche überhaupt nicht
Die Playa de la Concha bei El Cotillo im Nordwesten ist der eine Ort, an dem der Wind zur Nebensache wird. Lavariffe rahmen eine flache Lagune ein, das Wasser bleibt darin ruhig, und bei Ebbe stehen in manchen Becken nur wenige Zentimeter. Man kann fünfzig Meter hinauslaufen und dabei hüfttief bleiben. Wind ist auch dort, nur stört er im geschützten Becken kaum.
Caleta de Fuste in der Inselmitte ist kein gewachsener Ort, sondern rund um eine hufeisenförmige Badebucht gebaut worden. Der Strand fällt flach ab, Wellen und starke Strömung fehlen. Vom Flughafen sind es sieben Kilometer und keine zehn Minuten Fahrt, was mit einem übermüdeten Baby am Anreisetag mehr wert ist als jede Aussicht. Charme hat der Ort keinen. Kurze Wege dafür schon.
In Corralejo selbst liegt mit der Playa Waikiki, auch Galera Beach genannt, ein großer Ortsstrand in geschützter Lage, den man zu Fuß erreicht.
Nicht geschützt sind die Grandes Playas südlich von Corralejo: neun Kilometer offener Strand am Dünen-Naturpark, den größten Dünen der Kanaren. Der Ruf dieses Abschnitts kommt vom Wind, und die Surfer und Kitesurfer sind dort aus genau diesem Grund. Noch deutlicher ist es an der Playa de Sotavento bei Costa Calma, wo die Landform den Passat zusätzlich beschleunigt und wo jedes Jahr der Weltcup im Wind- und Kitesurfen stattfindet. Ein großartiger Anblick. Mit Kinderwagen sinnlos.
Schatten gibt es nur den, den du selbst mitbringst
Fuerteventura ist weitgehend baumlos. Es regnet zu wenig, die Böden sind karg, und die wenigen natürlich gewachsenen Bäume stehen in feuchten Tälern im Inselinneren, nicht am Strand. Was am Wasser Schatten wirft, hat jemand hingestellt: Strandbars, Sonnenschirme zur Miete, Hotelanlagen.
Ein normaler Sonnenschirm hält dem Nachmittagswind selten stand. Was hier funktioniert, ist ein Strandmuschel- oder Sonnensegelaufbau, den man mit Sand beschweren oder verankern kann. Alles Weitere zu Sonnenschutz, Flüssigkeit und Hitze gehört nicht in einen Reiseartikel, sondern in ein Gespräch mit dem Kinderarzt oder der Apotheke vor Ort.
Die Insel ist länger, als die Karte aussehen lässt
Corralejo liegt im Norden, Morro Jable ganz im Süden. Dazwischen liegen über die FV-2 rund 110 Kilometer und gut anderthalb Stunden reine Fahrzeit. Hin und zurück an einem Tag sind über drei Stunden im Autositz, und das ist mit einem Baby der Unterschied zwischen einem Ausflug und einem verdorbenen Tag.
Praktisch heißt das: ein Standort für den ganzen Urlaub, nicht zwei. Und Vorsicht bei den langen Ausflügen an Land – die Inselrundfahrt vom Süden in den wilden Norden dauert sieben Stunden und kostet 77 €, und sie ist für Erwachsene gedacht. Zum Strand von Cofete führen ab Morro Jable rund neunzehn Kilometer unbefestigte Piste, für die man je Richtung etwa eine Stunde ansetzt; die Jeep-Safari dorthin gibt es ab 65 € für drei Stunden. Beides sind Dinge, die man um ein paar Jahre verschiebt.
Wenn du einen Mietwagen nimmst, reservierst du Babyschale oder Kindersitz gleich bei der Buchung mit und lässt dir vom Anbieter bestätigen, dass er wirklich da ist.
Was mit einem Baby schlicht nicht geht
Das gehört klar hingeschrieben statt angedeutet: Ein großer Teil dessen, wofür Fuerteventura bekannt ist, fällt mit einem Kind unter zwei Jahren komplett aus.
Buggy- und Quad-Touren, von denen es hier 17 gibt, ab 60 € und im Mittel 99 €, sind offene Fahrzeuge auf Staubpisten, der Helm gehört zur Ausrüstung. Jetski ab Morro Jable, 80 € für eine halbe Stunde, ebenso wenig. Schnellboote schlagen über der Dünung hart durch. Surfkurse ab 50 € und die Kurse im Windsurfen setzen voraus, dass du selbst ins Wasser gehst. Alles das ist kein Programm für einen Säugling, und keine Formulierung macht es dazu.
Wer trotzdem etwas davon machen will, teilt den Tag auf: einer fährt, einer bleibt. Das ist unromantisch, aber es funktioniert.
Zu Mindestaltersgrenzen sagen wir hier bewusst keine Zahl. Die Anbieter setzen unterschiedliche Grenzen, und was gilt, steht auf der jeweiligen Buchungsseite. Für Boote haben wir die Frage ausführlicher aufgeschrieben: ab welchem Alter eine Bootstour sinnvoll ist. Ob ein Anbieter Rettungswesten in Babygrößen an Bord hat, weiß von außen niemand. Das ist eine Frage, die du vor der Buchung stellst, keine Annahme, die du triffst.
Lobos ist fünfzehn Minuten weg. Trotzdem eine Frage.
Rund um die Isla de Lobos gibt es 25 Angebote ab 16 €. Die Überfahrt ab Corralejo dauert etwa fünfzehn Minuten, das Schnellboot-Ticket kostet 16 €, die Fähre 17 €.
Die Überfahrt ist nicht das Problem. Die Zeit danach ist es. Lobos ist Naturpark, der Zutritt ist seit 2019 genehmigungspflichtig, die Genehmigung selbst kostenlos, die Besucherzahl pro Tag begrenzt und in Zeitfenster von jeweils rund vier Stunden aufgeteilt. Manche Tickets enthalten den Parkeintritt, andere nicht; was für deins gilt, steht auf der Buchungsseite. Kontingente und Fahrpläne ändern sich, prüfe sie kurz vor der Reise.
Vier Stunden auf einer schattenlosen Insel, mit fester Rückfahrzeit und ohne die Möglichkeit, spontan früher zu gehen: Ob dein Kind das trägt, weißt du besser als jeder Reisetext. Es bleibt eine Frage.
Wann diese Reise eine schlechte Idee ist
Wenn der Strandtag der einzige Plan ist und die Reise in den Hochsommer fällt, trifft sie auf die windigsten Wochen des Jahres. Dazu kommt die Kalima: Im Sommer kann heiße Luft aus der Sahara den Passat zurückdrängen, dann steigen die Temperaturen zum Teil über vierzig Grad und Staub liegt in der Luft. Planen lässt sich das nicht, umbuchen erst recht nicht.
Und wenn ihr bucht, damit die Eltern auch einmal etwas erleben, wird es schwierig. Was diese Insel an Ausflügen zu bieten hat, hängt am Wind, am Boot oder an der Piste, und genau das ist mit einem Säugling gesperrt. Zwei Jahre später sieht dieselbe Liste völlig anders aus, dann fangen die Möglichkeiten mit einem Kleinkind zwischen zwei und fünf an.
Gut funktioniert hier das Unspektakuläre: ein Ort, ein geschützter Strand, Vormittage draußen, Nachmittage drinnen. Wer ältere Geschwister mitbringt und wissen will, wie sich ein Tag über verschiedene Altersstufen verteilen lässt, findet das im Überblick für Familien.